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In heißem Glanz liegt die Natur, Die Ernte lagert auf der Flur; In
langen Reih'n die Sichel blinkt, Mit leisem Geräusch die Aehre sinkt.
Doch hinter jenen grünen Matten, In seines Kirchleins kühlem
Schatten Geborgen vor dem Stich der Sonne, Da steht das Pfäfflein der
Gemeine, Auf diesem, dann auf jenem Beine, In seiner alten
Predigertonne Hoch an dem Pfeiler grau und fest, Dem Kranich gleich in
seinem Nest.
Schwarz glänzt das kurzgeschorne Haar, Wie Röslein blüht das
Wangenpaar; Nur etwas schläfrig blinzen nieder Die Aeuglein durch die
fetten Lider, Weil er sich seiner Wochenpredigt Mit ziemlich saurer Müh'
entledigt. So spricht er von dem ewigen Leben, Das nach dem Tod es werde
geben: Wie man auch da noch müsse ringen Und immer weiter vorwärts
dringen, Und nie von Handel und Wandel frei, Bis man zuletzt vollkommen
sei; Von einem Stern zum andern hüpfen Und endlich in den Urquell
schlüpfen.
Doch unten in des Kirchleins Tiefen Die Hörer auf den Bänken
schliefen. Sie waren alle hoch an Jahren, Mit weißen oder gar keinen
Haaren, Ganz klingeldürre Frau'n und Greise, Gebeugt von ihrer langen
Reise; So lehnten sie an ihren Krücken Mit lebensmüdem sanften
Nicken. Sie hatten gelebt und hatten gestritten, Erde gegraben und
Garben geschnitten Bürden getragen und Freuden gehabt, Und, wenn sie
gedürstet, sich gelabt. Sie hatten nicht ihr Leben verfehlt, Kein Genie
und keine Tugend verhehlt, Auch keine Schwänke unterlassen, Wen's
konnten bei der Nase fassen, Den haben sie gar fest ergriffen, Und ihn
mit Freuden ausgepfiffen, Nicht immer bezahlt, was sie geborgt, Und
fleißig doch für Erben gesorgt.
Die Predigt schweigt, sie sind erwacht, Die Kirchenthür wird
aufgemacht, Und leuchtend bricht der grüne Schein Der Bäume in die
Dämmrung ein. Die Alten stehen mühsam auf Und setzen sich gemach in
Lauf Und schleichen seltsam kreuz und quer Zwischen den Gräbern hin und
her. Sie setzen sich auf die Leichensteine Und reiben ihre kranken
Beine, Sie hüsteln, spucken aus und lachen Und sprechen bewußtlos
kindische Sachen, Sie schauen in die goldnen Auen, Wo ihre Enkel und
Sohnesfrauen Im fernen Sonnenglanze gehen, Die reifen Früchte rüstig
mähen; Sie sehen in all den hellen Schein Mit blöden Augen stumm
hinein. Schon ist verklungen leis und weit Das Lied von der
Unsterblichkeit. Und wie vor langen achtzig Jahren Die Flämmlein im
Entstehen waren Und mälig aus der tiefen Nacht Sich in ein helles Licht
entfacht, Das freilich auch sich ewig schien, So glimmen sie jetzt
wieder hin Und denken bessres nicht zu thun, Als ewig, ewig
auszuruh'n. Von Durst nach neuem Kommerzieren, Wenn recht ihr schaut,
ist nichts zu spüren.
Das Pfäfflein ist nach Haus gekommen, Hat einen Schluck zu sich
genommen Und wandelt jetzt im schmucken Garten, Den kühlen Abend zu
erwarten, Wo er sich freut auf ein Gelage, Zu dem er freundlich ist
gebeten; Doch steht die Sonn' noch hoch am Tage. Deß ist er nun in
großen Nöten; Er weiß, die besten Bachforellen Werden auf blumiger
Schüssel schwellen, Ausländische Wurst und köstlicher Schinken Reizen
ihn zu frohem Trinken; Er kennt die staubigen Flaschen zu gut In Herrn
Confratris frommer Hut, Die schön geschliffenen Gläser dringen Schon in
sein Ohr mit feinem Klingen; Er kennt das Tischlein hinter der
Thüren, Von wo die Flaschen hermarschieren, Bis er eine mit silbernem
Hals entdeckt, Die vor dem Abschied doppelt schmeckt.
Und noch drei lange, lange Stunden! Hier hat er Ranken
angebunden, Ein nagendes Räupchen abgelesen, Dort aufgehoben einen
Besen Und an das Gartenhaus gelehnt, Dann einen Augenblick
gewähnt, Er wolle auf den Sonntag Morgen Noch schnell für eine Predigt
sorgen; Doch ist er hievon abgegangen, Hat einen Schmetterling
gefangen, Wirft einen Socken über den Hag, Der mitten in einem Beete
lag. Die Sonne steht noch hoch am Tag. Er wird der langen Weil' zum
Raube Und sinkt in eine kühle Laube, Macht dort ein Ende seiner
Pein, Schläft zwischen Rosen und Nelken ein.
O Pfäfflein, liebes Pfäfflein, sag', Ist dir zu lang der eine
Tag, Was willst du mit all den Siebensachen, Den Millionen Sternen und
Jahren machen?
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