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Geh', gewinn' mir Geld ins Haus! Sprach das böse Weib zum Schütz; Er
gewann, in Saus und Braus Bracht er's durch, der gute Schütz; Denn er
dacht', noch mancher Schuß Bleibt mir für das böse Weib, Bleibt mir für
den Hausverdruß Jetzo gilt's dem Zeitvertreib!
Becher, Uhr und blankes Geld, Alles schlug er durch, der
Schütz, Manchen Beutel leert der Held, Stets gewann er neu, der
Schütz, Schenkt die Uhr der schönen Dirn' Recht zum Hohn dem bösen
Weib; In den Bechern klar und firn Perlt' der Wein zum Zeitvertreib.
Also trieb er's Tag und Nacht, Bis zu End' das große Fest Und die
bitt're Reu' erwacht, Weil er denkt ans Drachennest, Wo der böse Drach'
ihm haust, Der nur Gold und Silber frißt; Und dem guten Schützen
graust, Da er die Gefahr ermißt.
Blieb ihm noch ein Schuß zur Hand Und noch zehn Minuten Zeit Für den
Stich ins «Vaterland» Ach wie scheint die Scheibe weit! Hell vom
Tempel blinkt der Gruß Goldgefüllter Silberschal': Sie gewinn' ich, weil
ich muß, Denn es bleibt mir keine Wahl!
Vater Tell im Himmelszelt! Bied'rer Schütz in Gottes Schoß! Lenk'
dein Falkenaug' zur Welt, Hilf mir, denn die Not ist groß! Mach' den
Willen fest und frei, Reglos sicher meine Hand! Sind die Zeiten denn
vorbei, Da man Meisterschüsse fand?
Und er schlägt bedächtlich an, Zielet lang, der gute Schütz; Was
verwirrt ihm Sinn und Plan? Setzt er ab, der gute Schütz? Und er starret
bleich und fremd, Starret sprachlos nach der Scheib' Denn im roten
Zeigerhemd Sah er gaukeln dort sein Weib.
Niemand sah's, als er allein, Und er sieht's, so oft er
zielt! Macht's die Angst, ist es der Wein, Der ihm das Gehirn
bespült? Zweimal, dreimal schlägt er an, Zitternd stark am ganzen Leib
Immer tanzt auf grüner Bahn Grad' im Schuß das rote Weib.
Und die Sippe kommt zur Stell', Freunde, Vettern rings
herum, Büchsenmeister und Gesell, Lader, Warner grad' und krumm! Ei
welch' ein berühmter Schütz, Der so viel Clienten hat, Die ihm dienlich
sind und nütz, Jeder gibt ihm guten Rat.
Dieser untersucht das Schloß, Jener dreht ein Schräubchen an, Der
gebietet Ruh dem Troß Und ein and'rer spannt den Hahn, Und der fünfte
flößt ihm Mut, Doch der sechste stellt sich bang, Und der sieb'te hält
den Hut Vor den Sonnenuntergang!
Endlich doch ermannt er sich, Zielt in Wut, der gute Schütz, Und die
Freunde, feierlich, Sie umsteh'n den kühnen Schütz, Und er sieht das
böse Weib, Schließt die Augen sei's weil's muß! Und er drückt fort
ist das Weib Und zum Teufel ist der Schuß!
Eben dröhnt Kanonenknall, Feierabend Schütz und Rohr! Tausendfacher
Gläserschall! Klangvoll schließt des Tages Thor! Klanglos mit gebeugtem
Mut Heimwärts wallt der arme Wicht Sich zur Freude schoß er
gut: Für den Geiz gelang's ihm nicht. |