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Landwein

Beschreibung:  Ein Gedicht von Gottfried Keller
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ISBN: 3934029175   ISBN: 3934029175   ISBN: 3934029175   ISBN: 3934029175 
 
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Landwein


Am Hügel wohnt der alte Bauersmann,
Der hat sein Gut von neuer Hand gegründet,
Daß all sein Land im weitgezognen Bann
Des Eigners feste Willenskraft verkündet;
Was harter Fleiß der Erd' entlocken kann,
Hat er zu immergrüner Pracht entzündet;
Und in der Mitte steht sein stattlich Haus,
Die Fenster schimmern in das Land hinaus.

Da ist das ganze Jahr ein wechselnd Blüh'n,
Geteilt in Streifen und in allen Farben
Dehnt es sich aus, vom hellen Saatengrün
Bis zum gediegnen Gold der schweren Garben.
Des Mohnes traumerfüllte Kelche glüh'n,
Wenn kaum des Flachses blaue Blüten starben;
Vereinigt leuchtet aller Farben Flor
Im Blumengarten vor des Hauses Thor.

Vom fernen Berge aus dem eignen Wald
Hat er zum Hof den Brunnen hergeleitet,
Und von des Forstes felsiger Gestalt
Aus eignem Stein des Hauses Grund gebreitet.
Man sieht, wie neben mächt'ger Eiche bald,
Bald neben der gefällten Tann' er schreitet,
Die blanke Axt fest in den Stamm gehauen,
Dem langen Zug den richt'gen Weg zu schauen.

Vom Morgengrauen bis zum Nah'n der Nacht
Kann man ihn seh'n durch Flur und Felder streifen,
So weit noch seines Halmes Blüte lacht,
Treu seine Bienen Pflug und Stier umschweifen;
Selbst von der Lüfte sonnig heitrer Pracht
Die Tauben seines Hof's Besitz ergreifen.
Und auch die Lerche, Wachtel, Eul' und Rabe
Sind heimatliche Kinder seiner Habe.

Jedoch sein Herzfleck ist ein jäher Rain,
Der sich erhebt aus weiten Ackergründen,
Da, wo am vollsten ruht der Sonne Schein
Und abgewandt des Nordens rauhern Winden;
Da zieht der Landmann seinen Labewein,
Da ist er manchen langen Tag zu finden,
Wie Arbeit er und Müh' mit Lust verschwendet,
Der Rebe wähl'risch Schoß zum Lichte wendet.

Doch zieht er nicht die Traube zum Erwerb,
Mit seinen Söhnen trinkt er selbst den Saft,
Der nicht wie Honig süß, doch frisch und herb
Der Männer Blut erhält mit tücht'ger Kraft;
Auch Brot und Leib und Leben sind ja derb
Dem Volke, das in brauner Scholle schafft;
Nur wenn ein heißes Weinjahr ist auf Erden,
Kann auch sein Wein ein rechter Festwein werden.

Wie oftmals, wenn der kühle Herbst gekehrt,
Gelungen war des Jahr's mühsel'ger Plan,
Die Speicher hoch mit reicher Frucht beschwert,
Der neue Wein in seine Haft gethan,
Hat er das erste Glas davon geleert –
Nie setzt' er eines ruhig wohler an –
So saß der Mann inmitten seiner Sippe
Und trank den jungen Wein mit froher Lippe.

Wenn dieser so im Glas zu gähren schien,
Im Innersten nach Klarheit heiß zu ringen,
Dann sprach der Mann wie träumend vor sich hin,
Als hört' er wo ein fernes Lied erklingen:
«Gott hat's gegeben, und wir preisen ihn!
Wir loben ihn, wenn wir es wieder bringen!
Denn wie er's geben kann, mag er es nehmen,
Und unser ist ein mutiges Bequemen!

«Wohl hört man ihn durch Tann' und Schlüchte fahren,
Wer aber weiß, von wannen kommt der Wind?
So drängen sich der Menschheit schwere Scharen,
Die selber sich ein tief Geheimnis sind,
Das aber endlich sich soll offenbaren
Den Lebensklugen, die nicht taub und blind.
Indes zur Uebung, Stärkung unser'm Streben
Wird dieser harte Ackergrund gegeben.

«Und was wir heute sammeln und gestalten,
Das wird der Morgen schonungslos zerstreuen;
Doch wollt ihr einen süßen Kern erhalten,
Dürft ihr euch nicht zu sehr der Schalen freuen;
Wenn sich der Geist der Geister will entfalten,
Wird unablässig er das Wort erneuen.
Wir aber müssen bei der Arbeit lauschen,
Wohin die heil'gen Ströme wollen rauschen!»

  
Kleider machen Leute (Weltliteratur für Kinder) (Gebundene Ausgabe)
von Barbara Kindermann,
Sybille Hein,
Gottfried Keller
Siehe auch:
Ein Sommernachtstraum (Weltliteratur für Kinder)
von Barbara Kindermann
Nathan der Weise (Weltliteratur für Kinder)
von Barbara Kindermann
"Faust" nach Johann W. von Goethe, neu erzählt von Barbara Kindermann.
von Johann Wolfgang von Goethe
Wilhelm Tell (Weltliteratur für Kinder)
von Barbara Kindermann
 
    
     

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