I.
Wir standen an rauschender, schwellender Flut, Wir sieben Gesellen mit
brausendem Blut, Entzündet vom Weine, von Lied und von Lust, Hol' über!
ertönt es aus jauchzender Brust.
Da kam eine Schifferin rüstig heran, Sie faßte das Ruder und wandte den
Kahn; Wir sprangen mit Mutwill und Lachen hinein, Fast war der
gebrechliche Nachen zu klein.
So stieß sie vom Land in die Wogen hinaus, Die Mitte des Stromes war
weißlich und kraus; Wir brachten mit Schaukeln das Schifflein in
Not, Doch ruhig und aufrecht regiert' sie das Boot.
Mit Schmeicheln und Scherzen belagerten wir Die wehrlose Maid, und es
hingen an ihr Die glänzenden Blicke, doch ihnen vorbei Schaut' sie auf
die Wasser so kühl und so frei.
Zuletzt in den Lüften entbrannte die Lust, Zu stehlen der Jungfrau das
Tuch von der Brust, Und Augen und Worte wie Wellen und Wind, Sie gaben
zu schaffen dem kämpfenden Kind.
Und siegreich erreicht' sie den anderen Strand Und ließ uns mit
fliegendem Busen ans Land! Gewendet den Nachen, schon kehrt' sie
zurück, Fuhr über das Wasser mit ruhigem Blick.
II.
Es ringen die Ströme gewaltig zu Thal, Die Deutschen nach Einheit mit
Feder und Stahl; Der Neckar erreichet den wallenden Rhein, Doch ewig muß
deutsche Zerrissenheit sein.
Die feindlichen Stämme, sie stritten im Land, Die Preußen, die Baiern,
die Hessen zu Hand Verfochten mit blutiger Mühe den Thron, Die Badischen
sind gegen Süden gefloh'n.
Am Strand blieb ein Häuflein Rebellen zurück, Die finden zum Flieh'n
weder Furten noch Brück', Vom Rotweine trinken die Neige sie noch Und
bringen voll Wut ihrem Hecker ein Hoch.
Da kracht es vom Walde, da blinkt es vom Berg, Es flüchtet der Fischer,
es birgt sich der Ferg; Ja blickt nur, ihr wilden Gesellen, euch
an! Wohl ist es um euere Köpfe gethan!
Schon schimmert durch Bäume der Helm und der Speer, Es fliegt der Husar
auf der Straße daher; Die Schifferin drüben steht einsam am Bord, Schon
schwenkt sie das Ruder, schon ist sie am Ort.
Sie springen mit bleichen Gesichtern hinein, Fast ist der gebrechliche
Nachen zu klein; Mit Männern und Waffen zum Sinken beschwert, Hat sie
schon das Schiff in die Fluten gekehrt.
Das ist eine düst're Gesellschaft im Boot, Wie Blut weht am Hute die
Feder so rot, Zerrissen die Bluse, geschwärzt das Gesicht, In den Augen
flackert das Totenlicht!
Ein dürftiges Fähnlein im Winde sich rollt, Aus schlechtem Kattun, das
ist schwarz rot und gold; So treibt auf den Wellen der schwankende
Kahn, Die Schifferin sucht ihm die rettende Bahn.
Und wie sie die Mitte des Flusses erreicht, Schon Kugel auf Kugel das
Wasser bestreicht; Sie schlagen ins Ruder, sie schlagen ins Schiff, Es
schweift um die Ohren der gräuliche Pfiff.
Da recken die Bursche sich fluchend empor, Und schnell fährt der
schlummernde Blitz aus dem Rohr; Sie stemmen den Fuß auf den schwebenden
Rand Und laden und senden die Kugeln ans Land.
Es rieselt im Nachen die purpurne Flut, Die Schifferin steht in dem
tanzenden Blut; Scharf streift ihr der Tod an den Brüsten vorbei, Das
Aug' hängt am Ziele nur sicher und frei.
Schon führt sie zerschossene Leichen an Bord, Und bleicher nur kämpfen
die Lebenden fort; Das Fähnlein verschwindet und flattert aufs
neu', Fest steht nur die Jungfrau und steuert getreu.
Und endlich gewinnt sie die schützende Bucht, In Hohlwegen bergen die
letzten die Flucht; Wo nächtliche Diebe und Wilderer geh'n, Verliert
sich des Deutschpaniers klagendes Wehn.
Die Maid aber legt jetzt das Ruder zur Ruh Und drückt ihren Toten die
Augen zu. Sie ziehet den schwimmenden Sarg auf den Sand Und setzt ihren
Fuß auf den blutigen Rand.
Da hat doch ihr Herz ein Erbeben gefaßt, Da erst sind die rosigen Wangen
erblaßt; Das ruhvolle, kühle, das klare Gemüt Hat Ein Mal in zitternden
Flammen geglüht!
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