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Die Landessammlung zur Tilgung der Sonderbundskriegsschuld

Beschreibung:  Ein Gedicht von Gottfried Keller
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ISBN: 3150153131   ISBN: 3150153131   ISBN: 3150153131   ISBN: 3150153131 
 
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Die Landessammlung zur
Tilgung der Sonderbundskriegsschuld (1852)


Wohl dehnen endlos Steppen sich,
drauf dünnes Volk gesäet,
In dessen Hirn ein leichter Geist
wie Sand vorm Auge wehet;
Doch unser Land ist eng und hoch
zum Himmel aufgetürmt,
Darinnen hat ein groß Geschick
schon manches Mal gestürmt.

Und dieses Schicksals nennen wir
mit Fug uns selbst die Schmiede;
Wir feilen sechs Jahrhundert schon
am selben alten Liede,
Bald sacht und leis, bald laut und rauh,
wie es der Zeiten Lauf;
Und mehr als einmal sprüht' es heiß
von Feil' und Hammer auf!

Das Sprühen ist der Bürgerkrieg,
der Völker Fluch geheißen;
Doch festet es ein gut' Metall,
wo schwache Ketten reißen.
Gerade weil wir Schmiede sind,
so schmieden wir in der Glut,
Die Pflugschar in der eig'nen Ess',
das Glück aufs neue gut!

Die rechte Faust im Bürgerkrieg
verkrallt und festgebunden,
Hat doch die link' den fremden Feind
dort kämpfend überwunden,
Wo bei Sankt Jakob an der Birs
ein Mann auf zehen kam,
Die sterbend zur Gesellschaft er
mit sich zum Hades nahm.

Nicht solcher Thaten rühmen wir
uns, die wir heute leben;
Jedoch, ist leichter uns're Hand,
ist geistiger auch das Streben.
Und zankten wir, und brauchten wir
die Ratio ultima,
So sind nun alle überzeugt
und alle sind noch da!

Wir stritten nicht um Geld und Gut
und nicht um Land und Leute;
Die Leute waren wir alle selbst,
ein neuer Bund die Beute,
Ein neues Recht, ein neues Haus,
doch auf dem alten Plan,
Und, außer dem guten Neuenburg,
kein neuer Stein daran!

Der Raum ist eng, die Seelen fest:
hie alte – hie neue Zeiten!
Erscholl's und blutig maßen sich
die Mehr- und Minderheiten.
Doch nun der Streit gestritten ist,
so sind wir wie Ein Mann,
Ein Mann, der sich bezwungen hat,
und niemand geht's was an!

Wir teilten in die Arbeit uns
als werkerfahr'ne Geister;
Doch keiner hat nun Knechteslohn
und alle sind wir Meister!
Was soll nun noch das Schuldenbuch,
der schnöde Kostenpunkt?
Ein Wicht, der sich bezahlen läßt
das Glück, womit er prunkt!

Wie der Prozeß im Volk begann,
als es zum Krieg gepfiffen,
So sei nun diese Sühne auch
zuerst vom Volk ergriffen!
Du Schreiber in der Halle dort
zerreiße flugs den Wisch,
Denn sieh', schon drängt sich Kind und Greis
um deinen Rechentisch!

  
Gottfried Keller: Kleider machen Leute. Lektüreschlüssel (Broschiert)
von Walburga Freund-Spork,
Gottfried Keller,
Walburga Freund- Spork
Siehe auch:
Kleider machen Leute. 2 CDs
von Gottfried Keller
Kleider machen Leute
Der Abituriententag. Die Geschichte einer Jugendschuld.
von Franz Werfel
Walching.
von Robert Hültner
 
    
     

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