|
Im Laube weht der Sommerwind Und über das Halmenmeer, Da naht mit
ihrem Festgesind, Die Fahne freudenschwer! Da wallt das Völklein
Wohlgethan, Der Schalk zieht mit dem Biedermann Froh hinter ihr
einher.
Halt! Steckt das Banner auf den Turm: Hie Schweizerland zehn
Tag', Zehn Tage lang Gemütersturm Und Vaterlandsgelag! Doch in der
Brandung lautem Spiel Sucht still der Schütz sein altes Ziel, Der Schütz
vom alten Schlag.
Ihr andern aber heuchelt nicht Und gebt euch, wie ihr seid, Und eh'
das Herz vor Schweigen bricht, Verkündet euer Leid! Der Weise spreche
warm erregt, Der Schwätzer schwatze tief bewegt In seinem
Narrenkleid!
Und zürnt ihr, sei die Hand geballt Von echtem Freundeszorn: Sie
öffnet sich, sobald erschallt Das alte Wunderhorn! Wir dürsten all' nach
Einem Trank Und baden alle, wenn wir krank, In Einem klaren Born!
Die Freiheit gibt sich nicht in Pacht, Sie folgt nicht Einem Mann Und
hat noch immer den verlacht, Der sie zu fangen sann, Das einz'ge Weib,
dem gut es steht, Wenn es mit tausend Männern geht, Vertraut in Ring und
Bann.
Die wilden Rosen auf dem Hut, Läßt sie die Augen geh'n; Dann braust
verwirrt der Männer Blut, Daß sie sie doppelt seh'n.) Und wie das Volk
im Streite ringt, Sie ordnend ihre Fahne schwingt Und läßt's im Reih'n
sich dreh'n.
Nun seid gegrüßet Mann für Mann, Die Festfanfare schallt! Nun treib'
es jeder, wie er's kann, Ein Rufer in den Wald! Getrost vergeßt des
Tages Not, Bis daß im zehnten Abendrot Der letzte Schuß verhallt!
+) Das Land war zur Zeit durch die politischen
Gegensätze namentlich des Föderalismus und Centralismus bei Erneuerung
der Bundesverfassung aufgeregt, sowie durch die Fragen der
Beseitigung der confessionellen Schranken im bürgerlichen Leben.
|